Es ist eine Weile her, dass ich den letzten Post geschrieben habe, aber trotzdem haben sich einige von euch hier geäußert. Das zeigt, dass das Thema tatsächlich relevant ist und viele von uns bewegt.
Auch aus meinem Bekanntenkreis kann ich berichten, dass die Umstellung von Plus auf Netto zu – vorsichtig formuliert – Verstimmung führt. Am letzten Wochenende war ich in NRW und musste auch dort feststellen, dass auch hier Plus ausstirbt. Im Kühlregal konnte ich noch einige Rest-Lassis ergattern, den letzten hebe ich mir für einen ganz besonderen Anlass auf. Vorgestern konnte ich in “meinem” Plus noch eine viva vital Suppe finden und TK-Brokkoli-Ecken.
Auch diese werde ich mit Ehrfurcht verzehren und in guter Erinnerung behalten.
Abgesehen von diesen persönlichen Äusserungen will ich auch aus Sicht professioneller Markenführung und Kommunikation einiges formulieren.
Zunächst einmal ist es bemerkenswert, wie es Plus mit vergleichsweise geringer werblicher Kommunikation gelungen ist, starke Marken wie BioBio und Viva Vital sowie Plus mit den Kleinen Preisen aufzubauen. Dies kann meiner Meinung nach vor allem
auf ein Sortiment überzeugender Produkte zurück geführt werden. In diesem Zusammenhang ist auch auf die Preispolitik von Plus zu verweisen. Hier ist festzustellen, dass Plus weder besonders teuer, noch besonders billig war. Auch diese Preispolitik hat dazu geführt, dass Plus der Supermarkt für den breiten Mittelstand war. Womit wir über die Kundengruppe auch zur Positionierung und zum Wettbewerb gelangen. Plus hat meiner Meinung nach eine optimale strategische Positionierung gegenüber dem Wettbewerb innegehabt – zwischen dem teuren (aber qualitativ eher schlechteren) Angebot von Kaisers und der Vielzahl von Billig-Discountern, die zum einen größtenteils ebenfalls nur mindere Qualität bieten und zum anderen profillos und austauschbar sind. Plus hat die Lücke zwischen diesen beiden Ositionen optimal geschlossen und eine breite Zielgruppe, den sogenannten Mittelstand bedient. Der steht jetzt vor dem gewaltigen Problem, dass er nicht weiß, wo er ab sofort einkaufen soll.
Da muss man sich allen Ernstes fragen, ob die Personem, die dort die Entscheidung zu treffen hatten, jemals von so etwas wie Kundenorientierung oder Marketing im Entferntesten auch nur gehört haben, wenn sie so leichtfertig etwas so wertvolles wie Kundenbindung vernichten.
Über die Art und Weise der Kommunikation, die ebenfalls bemerkenswert schlecht ist, werde ich im nächsten Artikel etwas sagen.